Im Rahmen des Projekts Migr&art organisiert das Manoir de la Ville de Martigny in Zusammenarbeit mit dem Epicentre Workshops, bei denen drei Künstler*innen mit drei Teilnehmer*innengruppen zusammenkommen. Die Künstler*innen Veronica Casellas Jimenez, Benoit Billotte und Marcel Kpoho arbeiten jeweils mit einer Gruppe über mehrere Jahreszeiten hinweg zusammen und beschäftigen sich dabei mit Fotografie, Stoffarbeiten und Skulpturen.
Kommende Veranstaltungen
Podiumsdiskussion "Was bleibt nach einem partizipativen Kunstprojekt?" - Festival der Fünf Kontinente
27. Juni 2026
Ein Jahr nach dem Start des ersten Zyklus der Migr&ART-Workshops war es an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen: Welche Spuren wird das Programm hinterlassen? Wie kann man konkret seinen Einfluss auf die teilnehmenden Personen sowie auf das Publikum, das ihre Arbeiten entdeckt hat, beobachten? Um diese Überlegungen zu eröffnen, stellte die Doktorandin Laura Pierini zunächst den theoretischen Kontext des Begriffs der sozialen Nachhaltigkeit im kulturellen Bereich dar. Sie entwickelte insbesondere die Fähigkeit der Kunst, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu "schaffen". Die Diskussion wurde mit den Erfahrungsberichten von Merhawit Afewerki und Alfred Guilavogui, Teilnehmenden des Projekts, dem Künstler Marcel Khopo und Loïse Pignat, einer sozial-kulturellen Pädagogin, die die Workshops begleitet hat, fortgesetzt. Ein berührender und inspirierender Austausch, in dem Stolz auf die geleistete Arbeit, ein Gewinn an Selbstvertrauen, ein Gefühl von Freiheit und Nichtbewertung, die Auseinandersetzung mit den eigenen künstlerischen Mustern, geknüpfte Verbindungen und Erinnerungen für ein ganzes Leben miteinander verwoben waren. Der runde Tisch wurde von einem Besuch der Ausstellung "Des nouveaux chez-nous" gefolgt, geleitet von der Kuratorin des Manoirs, Julia Taramacraz, in Begleitung der Teilnehmenden des Projekts.
Gemeinsames Weben und miteinander verwobene Geschichten
April 2026
In den folgenden Sitzungen, die von Marcel Kpoho zum Thema „Zuhause“ geleitet wurden, konnte sich jede Person das Werk zu eigen machen, indem sie nach Möglichkeiten suchte, ein Element einzubringen, das sie an ihr Zuhause erinnert – zwischen dem Persönlichen und dem Universellen. Der Schwerpunkt lag auf der gemeinsamen Gestaltung: Das gemeinsame Weben und Formen erforderte Zuhören, Verhandeln und den Respekt vor dem Platz jedes Einzelnen. Diese Momente der Handarbeit dienten als Grundlage für Begegnung und Dialog. Bei einem kleinen Imbiss gingen die Gespräche über den Rahmen des Workshops hinaus und drehten sich um globale Themen wie Konsum, politische Macht oder Musik. In dieser vertrauensvollen Atmosphäre kamen die Leidenschaften und das Potenzial jedes einzelnen Teilnehmers und jeder einzelnen Teilnehmerin zum Vorschein. Eine sehr bereichernde Erfahrung!
Marcel Kpoho und die Bergung von Gegenständen
April 2026
Die dritte Runde dieser Workshops findet ebenfalls im Pavillon de l’épicentre in Martigny statt, einem Ort, der der Kreativität und der Begegnung gewidmet ist. Das Projekt bringt sechs junge Ukrainer*innen und eine junge Frau aus Gabun zusammen, die das gemeinsame Ziel verfolgen, aus wiederverwerteten Materialien ein gemeinschaftliches Kunstwerk zu schaffen. Der Prozess begann mit einem Besuch im Manoir, dem künftigen Ausstellungsort, wo uns der Künstler Marcel Kpoho (Maler und Bildhauer beninischer Herkunft) das Projekt eines monumentalen Vorhangs aus Reifen und recycelten Materialien vorstellte. Um dieses Werk zum Leben zu erwecken, unternahmen wir anschließend mit Zustimmung der Gemeinde einen Ausflug zur Müllsammelstelle in Martigny, um dort Stoffe, Accessoires und Elektrokabel zu sammeln. Ein weiterer Abstecher in den Garten des Künstlers ermöglichte es, die benötigten Reifen zu besorgen. Abgesehen von der logistischen Seite waren diese Ausflüge wichtige Momente, um Beziehungen aufzubauen. Die gemeinsame Fahrt förderte den Austausch von Lebensgeschichten und ermöglichte es jedem und jeder, sich nach und nach den anderen zu öffnen.
Austausch und Inspiration im Rhythmus des Lachens
April 2026
In jedem der von ihm im Epicentre geleiteten Workshops stellte Benoît Billotte, der sich durch eine außergewöhnliche pädagogische Präsenz auszeichnete, den Jugendlichen sorgfältig verschiedene Künstler*innen und Techniken vor, um die Inspiration aller zu bereichern. Die regelmäßige Anwesenheit des Fotografen Pierre Daendliker (übrigens in jedem der drei Workshop-Zyklen) hüllt die Gruppe in eine diskrete Wohlwollen; seine bescheidene Haltung bietet einen schützenden „Rückenhalt“, der es jedem Teilnehmenden ermöglicht, sich ohne Angst zu entfalten. In dieser Atmosphäre wurden Lachen und Entdeckung zu den Leitmotiven und ließen im Laufe der gemeinsamen Schaffensphasen eine Vielzahl verschmitzter und fröhlicher Lächeln aufblühen.
Benoit Billotte und natürliche Farbstoffe
April 2026
Die zweite Workshop-Reihe fand im Pavillon de l’épicentre in Martigny statt und richtete eine Klasse der SCAI (Section des classes d’accueil et d’intégration) aus, einem Sprungbrett für fremdsprachige Jugendliche oder solche, die sich beruflich neu orientieren möchten, außerhalb der Pflichtschulzeit. In diesem Übergangsraum wurde die Kunst zu einer gemeinsamen Sprache, um Beziehungen zu knüpfen und eine sanfte Integration zu fördern. Die Magie entstand dank Benoît Billotte, einem Künstler und Spezialisten für natürliche Färbemittel, der das Atelier in ein Laboratorium der Farben und Erinnerungen verwandelte. Seine geheimnisvollen Fläschchen und Pulver – in Wirklichkeit Zwiebelschalen, Kurkuma und andere Pflanzen – ermöglichten es uns, einfache weiße Stoffe in Bettlaken, Vorhänge oder Kissenbezüge zu verwandeln. Diese Objekte in leuchtenden Farben sind durchdrungen von den Worten und Erinnerungen an die Herkunftsländer jedes Einzelnen. Eine einfache Technik, die man zu Hause nachmachen kann, um sich an diese gemeinsamen Momente zu erinnern.
Kulturvermittlung am Lycée-Collège de Saint-Maurice
1/04/2026
Anlässlich des vom Lycée-Collège de Saint-Maurice organisierten Tages der Nachhaltigkeit setzten sich Schüler*innen der 8. Klasse anhand eines konkreten Beispiels mit dem Thema soziale Nachhaltigkeit auseinander: dem Projekt Migr&ART. Teilnehmer*innen des Programms waren vor Ort, um ihre Erfahrungen zu teilen und zu veranschaulichen, wie Kunst den Blick erweitern und für die Realität von Migrationsgeschichten sensibilisieren kann. Parallel dazu bot eine Ausstellung mit Bildern des Projekts allen Schülern und Lehrern die Gelegenheit, diese Arbeit kennenzulernen und die Reflexion darüber zu vertiefen.
Entwicklung von Filmen und Weitergabe
10/10/2025
Veronica hat den Raum vorbereitet: Schüsseln, Essig, Zitrone, heißes Wasser und Handseife. Die Filme werden nun in diese alchemistischen Mischungen getaucht, die ihnen unerwartete Farben und lustige, farbenfrohe Effekte verleihen sollen. Es gibt Snacks und die Atmosphäre im Nähzimmer ist herzlich und familiär. Für uns alle sind diese Treffen ein Zufluchtsort: Sie finden in unserer solidarischen, generationsübergreifenden und multikulturellen Wohngemeinschaft statt, in der wir zu acht leben. Wir sind zu Hause.
Begegnung mit Veronica Casellas
19/09/2025
Wir sitzen um den Tisch im Wohnzimmer herum, mit einer Tasse dampfendem Tee in der Hand, einer Käseplatte und Snacks zum Teilen. Veronica macht es sich gemütlich zwischen uns und taucht uns in ihre Welt ein: die Fotografie und ihr Heimatland Venezuela. Sie präsentiert uns ihre Soup-Filme, eine Möglichkeit, die mit einer analogen Kamera, dem Action Sampler, aufgenommenen Bilder zum Leben zu erwecken, die mit einem Kodak-Farbfilm ISO 400 mit 36 Bildern geladen ist. Auf Kissen oder an die Couch gelehnt betrachten wir gemeinsam ihre Kreationen, die auf die weiße Wand des Wohnzimmers projiziert werden. Die Bilder tanzen, die Geschichten werden lebendig und die Zeit scheint still zu stehen.
Äthiopischer Kaffee und analoge Fotografie
20/09/2025
Merahwit empfängt uns mit einem eritreischen Kaffee, der nach traditionellem Ritual zubereitet wurde. Die Sonne lädt uns nach draußen ein, und in ihrem Licht probieren wir die Analogkamera aus. Es war wichtig, dass wir uns heute tagsüber bei Tageslicht treffen. Jeder wählt einen bedeutungsvollen Gegenstand, ein Stück persönlicher Geschichte, und schreibt die Geschichte dazu auf ein Blatt Papier im Format A5. Anschließend überlegen wir uns Szenarien für den Film, den wir aus den Bildern erstellen möchten. Worte werden ausgetauscht, Emotionen verflechten sich. Da sich die Gruppe bereits kennt, konnten wir recht schnell einen Teil unserer Geschichte, die mit unserer Kultur oder unserer Familie verbunden ist, miteinander teilen. Ein einzigartiger und sehr wohlwollender Moment der Intimität, in dem Emotionen und Tränen zart zum Vorschein kommen und jede Stimme ihren Platz findet.
Launch-Event - Festival der Fünf Kontinente
13/06/2025
Das Programm Migr&ART traf im Rahmen des Festivals der fünf Kontinente zum ersten Mal auf sein Publikum. Eine Podiumsdiskussion über die Rolle und die Erfahrungen partizipativer Kunstprojekte brachte Fachleute aus dem kulturellen und sozialen Bereich sowie Teilnehmende zu einem spannenden Austausch zusammen. Werke, die im Rahmen des SMArt-Programms entstanden sind, das kürzlich nach 10 Jahren künstlerischen Schaffens in der Schweiz und weltweit eingestellt wurde, wurden an mehreren Orten des Festivals ausgestellt.